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Die Kalkulation im Businessplan

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Aller Anfang ist schwer – dies trifft hervorragend auf die Existenzgründung zu. An deren Anfang steht die Erstellung eines Businessplans. Hier müssen Gründer auch die eigene Finanzplanung vornehmen, um finanzielle Risiken zu vermeiden. Die Planung umfasst unter anderem die Berechnung sämtlicher Kosten – hierzu gehört beispielsweise auch der Unternehmerlohn. Doch wie funktioniert die Preiskalkulation im Businessplan genau? Erfahren Sie mehr.

Notwendigkeit der Kalkulation im Businessplan

Der Businessplan dient zur Information externer Stakeholder und der Überzeugung von Geschäftspartnern. Gerade Gründer haben es oftmals schwer, Banken, Lieferanten oder Partner zu überzeugen. Schließlich fehlt der Blick auf eine erfolgreiche Unternehmenshistorie. Der Unternehmensplan muss dieses Manko wettmachen und insbesondere bei der Finanzplanung überzeugen. Auch für den Gründer selbst ist die sorgfältig ausgearbeitete Finanzplanung ein wichtiger Bestandteil eines Businessplans. Nur wer eine klare Vorstellung von den Gesamtkosten hat, kann realistisch die Preise bestimmen.

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Bedeutung der Preiskalkulation

Der Preis für ein Produkt oder eine Dienstleistung muss so kalkuliert werden, dass er mindestens kostendeckend ist, allerdings sollte er auch konkurrenzfähig sein und nicht zu hoch ausfallen. Um den richtigen Preis zu berechnen müssen verschiedene Kostenpunkte betrachtet werden – gegebenenfalls muss nach einiger Zeit analysiert werden, wo sich Einsparungen erzielen lassen. Dabei spielen sowohl die Fixkosten als auch die variablen Kosten eine Rolle.

Relevante Faktoren für die Preisbestimmung

Für die Preiskalkulation sind verschiedene Faktoren maßgeblich. Hierbei unterscheiden sich der Verkauf von Produkten und das Anbieten einer Dienstleistung. Während Unternehmen beim Verkauf von Produkten die Herstellungskosten decken müssen, beschränkt sich der finanzielle Aufwand der Dienstleistungsbranche hauptsächlich auf den Mitarbeiterlohn.

Bei der Produktion müssen die Verantwortlichen zunächst die Produktionskosten ermitteln, da diese selbstredend kompensiert werden müssen.

Fixe Produktionskosten wie die Miete sowie variable Kosten wie Energiekosten für den Betrieb einer Maschine müssen für die Preiskalkulation im Businessplan berücksichtigt werden. Dabei gilt es, den Break-Even-Point zu berechnen, der zeigt, ab welchem Punkt die fixen und variablen Kosten gedeckt sind und wie viele Erzeugnisse das Unternehmen verkaufen muss, um die Gewinnzone zu erreichen. Zudem spielt die Konkurrenz eine wichtige Rolle.

Zu Beginn der Kalkulation sollten Unternehmen die Konkurrenz analysieren, um sich ein Bild von deren Angebot und der dazugehörigen Preisgestaltung machen zu können. Auch die verfolgten Preisstrategien von Wettbewerbern und die Gegenüberstellung zur eigenen Preispolitik ist entscheidend. Letztlich muss auch die Zielgruppe bei der Preisfestlegung berücksichtigt werden. Schließlich kann ein Produkt nur dann verkauft werden, wenn die Preisbereitschaft der Kundschaft nicht überschritten wird.

Relevante Faktoren fuer die Preisbestimmung
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Die Preiskalkulation von Dienstleistungen

Handwerkliche Arbeiten und Dienstleistungen sind vorrangig durch das Verkaufen von Arbeitszeit geprägt. Zentrales Element für die Preiskalkulation ist also die verfügbare Arbeitszeit. Handwerker und Dienstleister rechnen ihre Leistungen daher meist über einen Stundenverrechnungssatz ab. Wie der Name bereits sagt, werden dem Kunden die Leistungen hierbei stundenweise in Rechnung gestellt. Doch wie berechnet man einen Stundensatz?

Zunächst ist es notwendig, die jährlichen Gesamtkosten des Unternehmens zu ermitteln. Die Gesamtkosten umfassen alle Bestandteile, die zur Ausübung der gesamten Geschäftstätigkeit über ein ganzes Jahr hinweg notwendig sind. Dies können Löhne, Gehälter, Materialkosten, Lebenshaltungskosten, Kfz-Kosten und viele weitere sein. Im zweiten Schritt wird die Summe aller (theoretisch) leistbaren Arbeitsstunden unter Berücksichtigung von Wochenenden, Feiertagen, Urlaub und möglichen Krankheitstagen berechnet. Hierbei ist wichtig, realistisch zu sein, denn Stunden, die man nicht als Arbeitszeit anbieten kann, kann man auch nicht in Rechnung stellen (fakturieren).

Teilt man nun die gesamten Kosten durch die Zahl der fakturierfähigen Stunden, erhält man den Basis-Stundensatz, mit dem das Unternehmen eine genaue Kostendeckung erzielen würde. Anschließend wird die geplante Gewinnmarge auf den Basis-Stundensatz aufgeschlagen, um den Netto-Stundenverrechnungssatz zu ermitteln. Der Brutto-Stundenverrechnungssatz oder auch Stundenlohn ergibt sich dann durch Aufschlagen der Umsatzsteuer.

Stundensatzkalkulation Teil 1

Stundensatzkalkulation Teil2

Ebenfalls zu berücksichtigen: Unternehmerlohn, Gewinn und Gehalt

Bei der Preiskalkulation sind darüber hinaus auch der Unternehmerlohn bzw. die Gehälter und eine Gewinnspanne zu berücksichtigen, schließlich möchten Unternehmer auch Gewinn erwirtschaften und ihr Privatleben finanzieren. Dabei unterscheidet sich die Art und Weise der Geldentnahme je nach gewählter Rechtsform. Während Einzelunternehmer benötigtes Geld ganz unkompliziert und in beliebiger Höhe entnehmen können,  beziehen die Führungspersonen von Kapitalgesellschaften (Geschäftsführer, Vorstand) ein fix vereinbartes Monatsgehalt. Da dies die Kosten des Unternehmens erhöht, werden die Gehälter bei Kapitalgesellschaften in der Kostenplanung berücksichtigt. Der Unternehmerlohn des Einzelunternehmers hingegen ist Bestandteil des Gewinns, der in der Rentabilitätsplanung berechnet wird und kein Gehalt. Fazit: Je nach Rechtsform bedarf es einer genauen Differenzierung. Vorlagen für Businesspläne können hierbei unterstützen.

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Welche Kosten fallen noch an?

Vorlagen für Businesspläne für DienstleistungsunternehmenIndustrie und Handel oder Handwerk und andere Branchen enthalten häufig exemplarische Kalkulationen, auf welche Art und Weise der jeweilige Stundenlohn berechnet werden kann. Dies ist sehr hilfreich, denn um die Kalkulation ehrlich und zukunftsorientiert aufzustellen, sollten Unternehmer alle Kosten bedenken, die regelmäßig fällig sind. Dies reicht von der Miete und den monatlichen Beiträgen für Vereine bis zu den Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.

Tipps für die Preiskalkulation von Dienstleistungen

Bei der Preiskalkulation gibt es zahlreiche Tipps, mit denen Unternehmer und Selbstständige die eigenen Prinzipien überdenken können. Häufig ist der Gedanke weit verbreitet, dass Preisreduzierungen weniger Geld für das Unternehmen bedeuten. Dies ist jedoch nicht zwingend der Fall. Bei einer Erhöhung des Absatzes kann es sinnvoll und möglich sein, die Preise zu reduzieren. Die sogenannte Fixkostendegression bezeichnet hier den Effekt, dass im Zuge der Massenproduktion die Fixkosten pro Stück sinken. Dies wirkt sich positiv auf die Entwicklung der Kosten und Gewinne aus. Zudem ist es sinnvoll, die eigenen Fixkosten zu reduzieren. Gründer sollten sich am Anfang beispielsweise nicht überschätzen.

Vielmehr senkt eine vergleichsweise günstige Miete die fixen Kosten erheblich. Bei wirtschaftlichem Erfolg können Unternehmen immer noch in eine repräsentative Einrichtung ziehen. Durch die Senkung der Fixkosten ist ein geringerer Preis möglich. Der Break-Even-Point verändert sich, die Gewinnspanne steigt. Zu guter Letzt kann es auch sinnvoll sein, die eigenen Vorstellungen hinsichtlich der Gewinnmarge zu konzentrieren. Wer mit Zwang zu viel Gewinn erwirtschaften will, geht ein hohes Risiko ein. Oftmals klingt es erfolgsversprechend, die eigenen Vorstellungen zu korrigieren, um die Gewinne sukzessive zu steigern.

Unternehmerlohn und zukünftige Entwicklung

Wenn Unternehmen den Stundensatz berechnen, darf die Zukunft nicht außen vor bleiben. Schließlich soll der Stundensatz für Selbständige schnell steigen. Während in der Anfangszeit ein unterdurchschnittlicher Lohn die Folge ist, kann dieser schnell steigen. Schließlich ist dem unternehmerischen Risiko gemein, dass auf der anderen Seite ein überdurchschnittliches Gehalt herauskommt. Andernfalls würde wohl kaum jemand den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Die Kalkulation im Businessplan kann folglich darauf gerichtet sein, in Zukunft das Gehalt der Unternehmer ständig steigen zu lassen.

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Die Kalkulation im Businessplan muss bedacht sein

Die Preiskalkulation sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn vor allem in den Anfangszeiten der Existenzgründung, wenn die Auftragszahlen noch gering sind, ist es wichtig, dass der Stundensatz sorgfältig berechnet wird. Nur so lassen sich finanzielle Probleme bestmöglich vermeiden. Und mit einer realistischen Darstellung der Unternehmenszahlen lassen sich auch Investoren, Banken und Partner am besten überzeugen.