Chancen und Risiken eines Unternehmens erkennen

von | Jun 28, 2022 | Unternehmensgründung | 0 Kommentare

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Lesezeit: 6 Minuten

Effektives Risikomanagement für Gründer

Wer sich selbstständig macht, sollte sich bewusst sein, dass nicht immer alles nach Plan verläuft. Es ist wie bei einer Achterbahnfahrt – es geht mal rauf, mal runter. Und wie bei der Achterbahn sollte man hier nichts dem Zufall überlassen, sondern mithilfe entsprechender Analysen auf Schwankungen am Markt reagieren. Nur wer sein Unternehmen „wartet“ und alle möglichen Entwicklungen im Blick behält, wird sich dauerhaft erfolgreich positionieren können. Eine Methode, die für das effektive Risikomanagement häufig genutzt wird, ist die sogenannte SWOT-Analyse. Was sich genau hinter dieser Methode verbirgt und welchen Beitrag sie bei einer Chancen- und Risiken-Analyse leistet, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.  

Was ist eine SWOT-Analyse?

Die Bezeichnung leitet sich aus den englischen Begriffen „S“ wie Strengths, also Stärke, „W“ wie Weaknesses, die Schwächen, „O“ wie Opportunities, die Chancen und „T“ wie Threats, die Risiken, ab, aus deren Anfangsbuchstaben sich das Akronym SWOT ergibt. Es handelt sich um ein strategisches Instrument, um die Chancen und Risiken eines Unternehmens durch eine entsprechende Planung in Balance zu halten. SWOT-Analysen werden zum Beispiel bei der Strategieentwicklung, der Positionsbestimmung und im Personalwesen eingesetzt.

SWOT Analyse, Stenghts, Weaknesses, Opportunities, Risks - Chancen und Risiken eines Unternehmens

© Coloures-Pic – stock.adobe.com

Die genaue Betrachtung von Chancen und Risiken erlaubt es zu erkennen, wie sich das Unternehmen im Rahmen der Veränderungen der Bedingungen der Umwelt positionieren kann und an welchen Stellen Veränderungen vorgenommen werden sollten. Die Nutzung des Verbesserungspotenzials zählt daher zu den wichtigsten Aufgaben des Managements. Auch wenn sich nicht alle Probleme vorhersehen oder lösen lassen – ein durchdachtes Risikomanagement mindert die Gefahren, die einem Unternehmen Schaden zufügen können.

Risk Analysis. Symbolbild, Risiko Analyse - Chancen und Risiken eines Unternehmens erkennen

© Olivier Le Moal – stock.adobe.com

Chancen-Risiken-Analyse Beispiel

Um zu einem besseren Verständnis beizutragen, was mit Chancen und Risiken eines Unternehmens gemeint ist, kann man dies anhand eines einfachen Beispiels erläutern:

Sie haben mit einem Start-up ein neues Produkt am Markt etablieren können und die ersten Hürden erfolgreich gemeistert. Sie haben die Chancen abgewogen und sukzessive die Möglichkeiten genutzt, die sich für eine Expansion boten. Doch leider schläft die Konkurrenz nicht und hat ein ähnliches Produkt entwickelt, das Ihre Mitbewerber darüber hinaus noch zu einem günstigeren Preis anbieten. Das Markenrecht soll hier keine Rolle spielen, da es sich nicht um eine Kopie Ihrer Idee handelt, sondern dieser eben nur ähnelt. Wenn Sie umsichtig gedacht haben, haben Sie diese Eventualität bereits bei der Existenzgründung in Ihrem Businessplan berücksichtigt und eine entsprechende Strategie im Ärmel. Sie haben vielleicht bereits eine günstigere Produktionsmöglichkeit ins Auge gefasst oder eine Verbesserung Ihres Produktes in Planung! Gut so! Wenn Sie erst nach Eintreten des Worst Case nach Lösungen suchen, kann dies eventuell zu spät sein. Daher ist die genaue Analyse aller möglichen Probleme von höchster Priorität.

Businessplan-Paket Existenzgründung / Startup

Was versteht man unter Chancen?

Durch eine kontinuierliche Verbesserung der angebotenen Produkte oder Dienstleistungen lassen sich neue Kunden gewinnen und gleichzeitig der bestehende Kundenstamm verfestigen. Die Erweiterung des Sortiments ist ebenfalls eine Chance, Marktanteile hinzuzugewinnen. Ebenfalls zu beachten sind die Angestellten im Unternehmen. Nicht umsonst spricht man in diesem Zusammenhang von dem wichtigsten Kapital. Gut geschulte, freundliche und engagierte Mitarbeiter sind die Flügel, die ein Unternehmen auf der Erfolgsleiter nach oben tragen. Wer sich nicht auf seinen sprichwörtlichen „Lorbeeren“ ausruht und seine Möglichkeiten mithilfe genauer Analysen nutzt, erhöht die Aussichten auf einen dauerhaften Erfolg, denn wie sagt man so schön: Stillstand ist Rückschritt.

Was sind Risiken?

Die Liste der möglichen Umstände, die einem Unternehmen schaden können, ist sehr lang. Daher ist eine Abwägung der Stärken und Schwächen elementar wichtig, um einem drohenden Risiko bereits bei seiner Entstehung entgegenwirken zu können. Alle Umweltereignisse, die einen Schaden für das Unternehmen mit sich bringen können, sind als Risiko zu betrachten. Dabei kann es sich um externe, technische, organisatorische oder wirtschaftliche Risiken handeln.

Zur Verdeutlichung hier einige Beispiele:

  • die wirtschaftliche Kaufkraft und damit der Absatz sinkt
  • relevante gesetzliche Bestimmungen ändern sich
  • das Inkrafttreten von Umweltauflagen (z. B. Verbot von Plastikgeschirr, Dosenpfand etc.)
  • die Energiekosten steigen
  • Ausfall eines Zulieferers
  • neue Technologien, die den Produktlebenszyklus verringern
  • Probleme bei der Materialbeschaffung
  • Umsatzausfälle durch Fehlproduktionen
  • Insolvenz wichtiger Kunden und Vertragspartner
  • Forderungsausfälle durch fehlerhafte Rechnungsstellung
  • der Wettbewerbsdruck durch günstigere Konkurrenten steigt
  • fehlendes Kapital für Investitionen
  • unzureichende Kompetenz der Mitarbeiter
  • Schäden durch Feuer oder Wasser
  • Kündigungsersuchen von Führungskräften
Symbolbild, Inflation, Preiskurve steigt

© jirsak – stock.adobe.com

Warum Risikomanagement unverzichtbar ist

Nur wer sich bereits bei der Existenzgründung mit einer effizienten Risikovorsorge auseinandersetzt, wird sich langfristig behaupten können. Die möglichen Gefahren sollten daher unbedingt bereits im Businessplan identifiziert, analysiert und bewertet werden. Von der Konkurrenzanalyse über die Marktentwicklung bis hin zu Bedrohungen, die sich im Laufe der Zeit ergeben können – eine Liste der Stärken und Schwächen hilft, im Falle eines Falles dabei schnell und effektiv zu reagieren.

Zunächst sollten Sie sich die Frage stellen: Was sind Risiken? Wo können Probleme auftauchen, die bei der Existenzgründung noch nicht ersichtlich sind? Im nächsten Schritt sollten Sie analysieren, mit welcher Wahrscheinlichkeit das jeweilige Risiko eintreten könnte und wie hoch der potenzielle Schaden ausfallen würde. Abschließend sollten Sie bereits bei den Überlegungen zur Unternehmensgründung Strategien entwickeln, die geeignet sind, mögliche Gefahren abzuwenden. Ist es möglich, die Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos zu minimieren und wenn ja, wie? Und wie kann ein nicht vermeidbarer Schaden so gering wie möglich gehalten werden? Welche Maßnahmen müssen hierzu wann und von wem in die Wege geleitet werden?

Sollte es zu einem Schadenfall kommen, ist es ratsam, die entstandenen Auswirkungen zu überprüfen und wichtige Schlüsse für die Zukunft daraus zu ziehen. Es ist nicht machbar, alle Gefahren abzuwenden, aber Sie können darauf vorbereitet sein! Mit der Planung geeigneter Gegenmaßnahmen können Sie erfolgreich gegensteuern und hoffentlich das Schlimmste vermeiden.

Leute besprechen etwas anhand einiger Grafiken - Chancen und Risiken eines Unternehmens erkennen

© REDPIXEL – stock.adobe.com

Wie sollte die Bewertung der Chancen und Risiken eines Unternehmens aussehen?

Sie sind mitten in der Unternehmensgründung, erstellen gerade einen Businessplan, haben aber keine Idee, wie eine SWOT-Analyse umgesetzt wird? Dann hilft Ihnen das folgende Vorgehen.

Notieren Sie sich zunächst in einer Liste, worin die Stärken und worin die Schwächen Ihres Unternehmens liegen. Definieren Sie unbedingt Ihre Ziele und legen Sie diese konkret fest. Entwickeln Sie verschiedene Szenarien und die Maßnahmen, die Sie gegen eventuelle Schwachstellen ergreifen werden. Idealerweise unterteilen Sie Ihre Liste in die vier Kategorien, die SWOT vorgibt:

Strengths

In der Kategorie „Strengths“ analysieren Sie Ihre Stärken. Was hebt Sie von der Konkurrenz ab? Welche Vorteile ergeben sich aus der Unternehmensgründung? Gibt es ein Alleinstellungsmerkmal?

Symbolbild, an einer virtuellen Tafel steht USP / Unique Selling Proposition, Alleinstellungsmerkmal

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Weakness

Im Abschnitt „Weakness“ geht es um die Schwächen des Unternehmens. Welche Schwächen gibt es? Können sie zum Misserfolg führen? Sind die Gefahren vermeidbar? Welche Verbesserungsmöglichkeiten bieten sich an?

Symbolbild Stärken und Schwächen auf einem "Hinweisschild" mit Richtungspfeilen - Chancen und Risiken eines Unternehmens erkennen

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Opportunities

Bei den „Opportunities“ geht es um die Chancenanalyse. Welches Potenzial steckt in Ihrer Idee? Liegen Sie im Trend der gesellschaftlichen Entwicklung? Wie können Sie technologische Entwicklungen effizient einsetzen? Gibt es lokale Vorteile?

Threats

Im Abschnitt „Threats“ beschäftigen Sie sich mit der Risikoanalyse. Welche Gefahren könnten sich ergeben? Wie agiert die Konkurrenz? Welche gesetzlichen und technischen Änderungen könnten sich ergeben? Sind Sie finanziell ausreichend abgesichert?

Mann im Büro macht gestressten Eindruck - Chancen und Risiken eines Unternehmens

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Nachdem Sie die unternehmerischen Möglichkeiten und Gefahren herausgearbeitet haben, gilt es, eine entsprechende Strategie für die einzelnen Punkte zu entwickeln. Beachten Sie dabei, dass sich die Situation kontinuierlich verändern kann. Einige Risikofaktoren können wegfallen, andere hinzukommen. Daher sollten Sie die möglichen Chancen und Risiken eines Unternehmens ständig aktualisieren. Nur wenn Sie Ihre Stärken und Schwächen rechtzeitig identifizieren, sind Sie auch wirklich handlungsfähig. Nutzen Sie die SWOT-Analyse, um in Ihrem Businessplan eine Konkurrenzanalyse und eine Marktentwicklung zu erfassen. Definieren Sie, welche Maßnahmen Sie gegen wirtschaftliche Risiken und andere Bedrohungen einsetzen können. Vergessen Sie nicht, eine Analyse der finanziellen Bewertung der Chancen und Risiken vorzunehmen. Ob bei der Unternehmensgründung oder im Verlauf Ihrer Tätigkeiten – spielen Sie die unterschiedlichsten Szenarien durch!


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Michael Mohr

Michael Mohr

Michael Mohr ist Gründer und Inhaber des Online-Verlags Vorlagen-Center (www.vorlagen-center.com). Vorlagen-Center bietet Premium-Vorlagen für den geschäftlichen und privaten Einsatz, beispielsweise für Businesspläne, Arbeitszeugnisse, Bewerbungen und Verträge. Umfangreiches Kaufmanns- und Rechtswissen erlangte Michael Mohr durch zwei Studienabschlüsse, mehreren Stationen als Angestellter in der freien Wirtschaft sowie durch eine Selbstständigkeit als Existenz- und Unternehmensberater. Privat ist er sportbegeisterter Familienvater und hat zwei Söhne.

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