Eigenen Buchladen eröffnen

von | Apr 21, 2021 | Unternehmensgründung | 0 Kommentare

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Lesezeit: 5 Minuten

« Wie man sich als Bücherliebhaber selbstständig macht »

Einen eigenen Buchladen zu eröffnen, ist sicherlich der Traum von vielen bibliophilen Menschen, die ihren Beitrag dazu leisten wollen, die Leidenschaft für das geschriebene Wort zu stärken und zu verbreiten. Die Selbstständigkeit im Buchhandel erfordert aber auch Know-how und gute Planung.

Über welche Qualifikation sollte ein Buchhändler verfügen?

Wenn Sie einen eigenen Buchladen eröffnen wollen, sollten Sie über Kenntnisse im Büchergeschäft verfügen und vor dem Schritt in die Selbstständigkeit im Idealfall eine Ausbildung als Buchhändler absolviert haben. Das hat gleich mehrere Vorteile. Natürlich ist es allgemein von Vorteil, wenn Sie Vorerfahrungen mit dem Buchhandel haben, wenn Sie erfolgreich Bücher verkaufen wollen. Aber man verfügt auch über ganz spezielle Informationen, wenn man eine entsprechende Ausbildung mitbringt. Zum Beispiel lernt man dort alles über die sogenannte Buchpreisbindung, die den finanziellen Alltag jedes Buchverkäufers bestimmt, aber auch über spezielle Rabatte für etwa Schulbücher. Darüber hinaus lassen sich Banken oder andere mögliche Investoren und Geldgeber eher von der Aussicht auf einen Erfolg überzeugen, wenn diese von der Kompetenz und vom Fachwissen des Gründers überzeugt sind.

Buchhändlerin im Buchgeschäft - Buchladen eröffnen

© Robert Kneschke – stock.adobe.com

Wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Es ist ein zu Beginn sehr kostspieliges Unterfangen, eine Buchhandlung zu eröffnen. Möglicherweise müssen Sie die kompletten Räumlichkeiten neu erwerben. Auch wenn das nicht der Fall ist und zu Beginn der Existenzgründung schon ein Laden vorhanden ist, so muss man doch diesen aller Voraussicht nach renovieren und umstrukturieren. Darüber hinaus steht natürlich erst einmal die Anschaffung eines umfangreichen Bestands an vielen verschiedenen Büchern an. Neue Kunden werden natürlich vor allem dann auf das Geschäft aufmerksam, wenn es dort viele verschiedene interessante Bücher zu entdecken gibt. Es kommen also gerade in der Anfangsphase der Selbstständigkeit viele Kosten auf den Existenzgründer zu. Da wird es sich in vielen Fällen nicht vermeiden lassen, Kapitalgeber anzusprechen und einen Kredit aufzunehmen. Und um diese potenziellen Geldgeber zu überzeugen, sollte ein ausgereifter Businessplan vorliegen, der keine Antworten schuldig bleibt.

In diesem Businessplan für den Buchhandel sollten alle zu erwartenden Kosten enthalten sein. Das betrifft sowohl die einmaligen Kosten, etwa die Renovierung des Ladens oder die Anschaffung eines Grundbestandes an Büchern als auch die regelmäßig anfallenden Kosten. Zu letzteren gehören zum Beispiel die Kosten für Miete, Strom und Versicherungen. Wenn Sie nicht selbst die ganze Zeit über im Buchladen sein können oder wollen, benötigen Sie natürlich auch noch Personal, damit das Geschäft an jedem Tag geöffnet sein und Umsätze erwirtschaften kann. Wenn eine Übersicht über alle zu erwartenden Kosten vorliegt, kann man berechnen, wie hoch der Finanzierungsbedarf ist. Zusätzlich müssen Sie im Businessplan natürlich auch aufführen, mit welchen Umsätzen Sie rechnen. Hier spielt vor allen Dingen die sogenannte Buchpreisbindung eine entscheidende Rolle.

Businessplan-Paket Buchhandlung - Buchladen eröffnen

Was hat es mit der Buchpreisbindung auf sich?

Wer sich mit einem Buchladen selbstständig machen möchte, muss sich zwingend mit dem Thema Buchpreisbindung auseinandersetzen. Wie das Wort schon sagt, sind die Preise für Bücher gebunden, also vorgegeben. Hintergrund der Buchpreisbindung ist der Gedanke, dass Bücher von hohem kulturellem Wert sind und sowohl vor Dumpingpreisen wie auch vor Mondpreisen geschützt werden müssen. Zudem erreicht man durch die Gleichheit der Preise, dass auch kleinere Läden, die keine Chance in einem Unterbietungswettkampf hätten, am Leben bleiben und es nicht nur große Monopolisten gibt. Viele Läden wiederum bedeuten gute Erreichbarkeit für jeden Bücherliebhaber.

Buchhändler können die Preise für die Bücher, die Sie verkaufen wollen, also nicht selbst festlegen, sondern müssen diese zum vorgeschriebenen Festpreis anbieten. Der Gewinn beschränkt sich von daher auf die Differenz dieses Festpreises zu den Rabattpreisen, die Verlage gewähren, wenn Bücher in großen Mengen geordert werden. Ausnahmen von der Buchpreisbindung gibt es nur in Ausnahmefällen. So darf man Bücher zum Beispiel dann günstiger verkaufen, wenn sie Mängel aufweisen oder wenn der Händler wegen einer Geschäftsaufgabe zu einem Räumungsverkauf gezwungen ist.

Buchladen eröffnen - Mängelexemplare

© blende11.photo – stock.adobe.com

Welche Rechtsform sollte man wählen, wenn man einen Buchladen eröffnen will?

Wer einen Buchladen eröffnen möchte, dem stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die alle ihre Vor- und Nachteile haben:

  1. Gründung eines Einzelunternehmens
  2. Gründung einer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts)
  3. Gründung einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)

Natürlich ist es möglich, ein Einzelunternehmen zu gründen mit dem Vorteil, unabhängig von anderen alle Entscheidungen treffen zu können. Dabei sollte man entweder genug gespart haben, um die Initialkosten decken zu können oder man nimmt einen Kredit auf. Die Zins- und Tilgungsraten müssen dann aus den Einnahmen des Buchgeschäfts beglichen werden können. Ist das, warum auch immer, irgendwann nicht mehr möglich, so muss mit dem Privatvermögen gehaftet werden. So viel Entscheidungsfreiheit wie man bei einem Einzelunternehmen hat, so sehr muss man sich auch der finanziellen Risiken bewusst sein.

Eine zweite Möglichkeit ist die Gründung einer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). So kann man mindestens eine weitere oder sogar mehrere Personen ins Boot holen. Aber auch in diesem Fall haften die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen für etwaige Schulden. Der Vorteil besteht jedoch darin, dass man nicht allein für Schulden haftet und dass im Gegensatz zur GmbH kein Stammkapital von 25.000 Euro vorhanden sein muss. Ein weiterer Vorteil ist, dass weniger bürokratischer Aufwand bei einer GbR betrieben werden muss. Der Gesellschaftervertrag erfordert hier beispielsweise keine bestimmte Form.

Im Falle einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) wird, wie der Name schon sagt, die Pflicht zur Haftung für Verbindlichkeiten beschränkt, es sei denn, die Gesellschafter nehmen Kredite für den Buchhandel auf ihr Privatvermögen auf. Für eine GmbH benötigt man ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro und einen Eintrag in das Handelsregister. In jedem Fall muss man den Buchladen beim Gewerbeamt, bei der IHK und bei der jeweiligen Berufsgenossenschaft anmelden.

Ordner mit Paragraphenzeichen und Goldwaage daneben

© MQ-Illustrations – stock.adobe.com

Wie kann sich ein kleiner Buchladen gegen die großen Ketten behaupten?

Kleinere Buchläden sehen sich großer Konkurrenz in Form von Ketten oder Onlineanbietern ausgesetzt. Da ist es trotz der Buchpreisbindung und der damit verbundenen Garantie, dass die Waren woanders nicht billiger sind, gar nicht so einfach, sich dauerhaft am Markt zu etablieren. Eine Möglichkeit, eine bestimmte Nische mit Erfolg zu besetzen, ist das Finden einer Marktlücke oder die Fokussierung auf ein bestimmtes Genre. Was der Buchhändler vor Ort im Gegensatz zum Onlineriesen immer hervorheben kann, ist ein bestimmtes Lokalkolorit. Er kann also gezielt Werke von Autoren anbieten, die in der Region leben oder Krimis, die in der entsprechenden Stadt spielen. Wer sich auf ein bestimmtes Genre spezialisiert, hat in diesem Segment dann in der Regel auch ein wesentlich größeres Sortiment an Büchern.

Besonderen Buchladen eröffnen

© dadogi – stock.adobe.com

Wer sich gegenüber der Konkurrenz aus dem Internet behaupten will, sollte dem Kunden zudem einen Anreiz bieten, seinen Buchladen aufzusuchen, anstatt das gesuchte Werk bequem vom Sofa aus zu bestellen. Der Laden muss einen Mehrwert bieten und zum Verweilen einladen. Das kann durch Autorenlesungen oder Leseabende geschehen oder durch den Verkauf von warmen Getränken, die aus dem Büchergeschäft eine Art Lesecafé machen. Auch sind persönlicher Service und kompetente Beratung wichtig. Hier ist es natürlich von Vorteil, wenn Menschen im Laden tätig sind, deren Herz für die Literatur schlägt. Der kleine Laden vor Ort kann mit Freundlichkeit und individuellen Empfehlungen punkten. Kurz gesagt: Wer seinen eigenen Buchladen eröffnet, muss das Geschäft zum Erlebnis machen.

Es ist sicherlich auch keine schlechte Idee, im Börsenverein des deutschen Buchhandels Mitglied zu werden. Dort unterstützt man Buchhändler gerade in der Anfangsphase der Selbstständigkeit und sie können später auf ein großes Netzwerk zurückgreifen.


Bildquelle Beitragsbild: © JackF – stock.adobe.com

 

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