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Ist Existenz-Gründungsberatung sinnvoll?

« Professionelle Unterstützung für die Selbstständigkeit »

Der Selbstständige ist 24 Stunden am Tag im Dienst und wenn dies nicht ausreicht, arbeitet er zusätzlich noch nachts! Wie viel Wahrheit in diesem nicht ganz ernst gemeinten Spruch steckt, erfahren viele Firmeninhaber früh. Doch das eigene Unternehmen zu gründen, erfordert nicht nur Arbeitswillen, sondern insbesondere im Vorfeld sorgfältige Planung. Viele Aufgaben müssen durch die Gründer erledigt werden, mit denen sie in den meisten Fällen zum ersten Mal im Leben konfrontiert werden. Damit nicht schon in dieser Phase der Neugründung Überforderung entsteht, gibt es die Existenzgründungsberatung. Hierbei handelt es sich um eine Dienstleistung, die Gründer in der Phase der Planung und in den ersten Geschäftsjahren unterstützt. Die Existenzgründungsberatung hilft dabei, Fehler zu vermeiden, damit größere Probleme erst gar nicht entstehen. Existenzgründungsberatung ist deshalb eine Investition in die Zukunft. Denn weniger Fehler bedeuten weniger Risiko.

Grundsätzliches zur Existenzgründung

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, auf den kommen unzählige Planungsprozesse und Entscheidungen zu. Viele dieser haben weitreichende Folgen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kenntnisse über deren Tragweite nicht immer vorhanden sind. Wenn man bedenkt, dass eine Existenzgründung oftmals nur einmal im Leben durchgeführt wird, ist die zeitliche und finanzielle Investition in eine professionelle Beratung in quasi allen Fällen sinnvoll.

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Ein Gründer muss überlegen, welche Rechtsform sein Unternehmen bekommen soll und hierfür das entsprechende Kapital vorrätig haben sowie die Auswirkungen der Haftung beachten. Ein weiterer komplizierter Bereich ist die Kostenplanung. Hier werden die fixen Kosten der Gründung und die variablen Kosten für die ersten Monate im Echtbetrieb aufgelistet und mit den zu erwartenden Erlösen gegenübergestellt. Aus dieser Rechnung lässt sich das benötigte Anfangskapital, und somit der Bedarf an Fremdkapital, ablesen. Weitere Überlegungen während der Gründung eines Unternehmens betreffen den zu bedienenden Markt.

Hier müssen Entscheidungen und Auswertungen zu Produktvarianten, Dienstleistungen, Serviceversprechen, Alleinstellungsmerkmale (sogenannte „Unique Selling Propositions, USPs“), potenzielle Kunden und mögliche Konkurrenten abgewogen werden.

Existenzgründungsberatung als professionelle Hilfe

Wer sich selbstständig machen möchte, aber vor behördlichen Hürden zurückschreckt, dem sei die Existenzgründungsberatung wärmstens empfohlen. Hierbei handelt es sich um eine Dienstleistung, mit der Profis auf ihrem Gebiet den Unternehmensgründern helfen. Die Beratung startet bereits bei den ersten Gedanken zur Selbstständigkeit. Zu diesem Zeitpunkt werden im Kopf erste Entscheidungen getroffen, weshalb es sinnvoll ist, schon in dieser frühen Phase auf professionelle Unterstützung zu setzen. Die Existenzgründungsberater können durch ihre Erfahrung abschätzen, ob eine Geschäftsidee sinnvoll ist oder ob die ersten Gedanken noch zu unreif sind.

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Im weiteren Verlauf wird das geplante Geschäftsmodell gemeinsam optimiert und mit Zahlen untermauert. Durch das Aufstellen von Finanzplanungen wird die Existenzgründungsberatung die Geschäftsidee betriebswirtschaftlich untersuchen und bewerten. Im Anschluss können die Gründer abwägen, ob sie ihre Idee weiterhin verfolgen wollen. Die Beratung geht aber über die reine Planung hinaus, da die Dienstleister auch die Phase der konkreten Geschäftseröffnung unterstützen. Hier geht es um die Abarbeitung der ersten Aufträge, um den Kontakt mit Behörden oder um die Möglichkeiten der Kundenbindung. Nicht selten läuft die Zusammenarbeit mit einer Gründungsberatung über mehrere Jahre hinweg.

Gemeinsam den Businessplan erstellen

Die wichtigste Aufgabe, die in den meisten Beratungen enthalten ist, ist die Unterstützung bei der Erstellung der Geschäftspläne. Damit eine Existenzgründung gelingt, sollten die anfänglichen Geschäftsideen in einem Businessplan schriftlich fixiert werden. Ein solcher Plan dient als roter Faden in der Gründungsphase. Er sorgt dafür, dass keine wichtigen Überlegungen vergessen werden und keine Denkfehler in die Planungen einfließen. Insbesondere der Finanzplan, welcher ein Bestandteil des Businessplans ist, ist für Gründer unerlässlich. Er gibt detailliert Auskunft über die Wirtschaftlichkeit einer Gründung. Der Dienstleister hilft beim Erstellen der wichtigen Formulare und Unterlagen.

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Ein Geschäftsplan ist letztendlich nicht nur für die eigenen Entscheidungen wichtig, sondern kann auch zu einem offiziellen Aushängeschild werden. Wenn beispielsweise Banken oder Kooperationspartner gebraucht werden, so ist ein Geschäftsplan ein wichtiges Argumentationsinstrument, mit dem diese Stakeholder überzeugt werden können. Eine Bank ist bei einem aussagekräftigen Businessplan mit erfolgversprechenden Zahlen schneller bereit, einen Kredit an das neue Unternehmen zu vergeben, als dies bei einem unstrukturierten Zahlensalat der Fall ist. Geht es darum, sich mit einem Kredit selbstständig zu machen, wird kein Weg an einem aussagekräftigen Geschäftsplan vorbeigehen.

Verschiedene Formen der Beratung bei einer Existenzgründung

Wer ein Unternehmen gründen und dabei Hilfe durch einen Dienstleister in Anspruch nehmen möchte, macht sich auf die Suche nach einer Existenzgründungsberatung. Es lässt sich eine Unterscheidung in kostenlose und gebührenpflichtige Beratungsangebote vollziehen. Kostenfrei sind beispielsweise einige Beratungs- und Orientierungsangebote der Industrie- und Handelskammern sowie von Handwerkskammern.

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Solche Angebote können jedoch den Beratungsbedarf des Gründers nur punktuell decken. Aufgrund begrenzter Ressourcen der Kammern finden zu fest vorgegebenen Terminen Schulungen oder Info-Veranstaltungen zu fest vorgegebenen Inhalten statt, an denen auch zahlreiche andere Gründer teilnehmen. Hier stehen neben dem Coaching insbesondere die Vernetzung und der Erfahrungsaustausch im Vordergrund.

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Möchte ein Gründer hingegen einen Existenzgründungscoach einkaufen, der maßgeschneiderte und umfassende Beratungsleistungen erbringt, so steht ihm eine große Auswahl zur Verfügung. Im Onlineauftritt des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)findet der Gründer diverse Listen mit Beratern. Die beratenden Unternehmen sind nach Branchen sortiert, was aufgrund der spezifischen Anforderungen der einzelnen Branchen auch notwendig ist.

Für alle Branchen ist es ratsam, dass die Zusammenarbeit auf Grundlage eines Beratungsvertrags stattfindet. Hierin sollten Ziele und Zeiten vereinbart werden, wonach sich letztendlich das Honorar berechnet. Eine pauschale Vergütung oder ein Honorar, welches sich nach prognostiziertem Umsatz berechnet, ist nicht empfehlenswert. Es sollten nur die Leistungen gezahlt werden, die konkret gebucht und vollbracht wurden.

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Beim Gründen stehen den zukünftigen Unternehmern potenzielle Zuschüsse offen, die gemeinsam mit einer Existenzgründerberatung angefordert werden können. Die entsprechenden Dienstleister kennen sich mit den Anforderungen und den Anträgen aus, sodass die Beantragung der Fördergelder meist problemlos abläuft. Wer zum Gründen den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit nutzen will, benötigt eine Tragfähigkeitsbescheinigung nach vorheriger Tragfähigkeitsprüfung.

Dieses Dokument kann nur durch eine sogenannte fachkundige Stelle, beispielsweise eine Existenzgründungsberatung oder einen Steuerberater, ausgestellt werden. Besonders bequem ist es, die Tragfähigkeitsprüfung online zu beauftragen. Hierzu benötigt die fachkundige Stelle lediglich Ihren Businessplan inklusive Finanzplanung und den Lebenslauf aller am Vorhaben beteiligten Personen. Zusätzlich wird ein ausführliches Gespräch per Telefon geführt.

Nach erfolgreicher Prüfung erhalten Sie die ausgefüllte Tragfähigkeitsbescheinigung der Agentur für Arbeit inklusive einer zusammenfassenden Stellungnahme.

Doch nicht nur die Gründung lässt sich bezuschussen. Die Beratung zur Existenzgründung selbst ist in manchen Bundesländern förderfähig. Die Formen der Zuschüsse schwanken jedoch deutlich, sodass sich die potenziellen Gründer je nach Bundesland über die Förderfähigkeit informieren müssen.

Die Förderung der Existenzgründungsberatung kann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) angefordert werden. Zu den Beratungsfeldern gehören Fragen zu finanziellen, wirtschaftlichen, personellen oder organisatorischen Themen.

Existenzgründungsberatung – ein Gang der sich lohnt?

Letztendlich obliegt die Entscheidung, ob die Existenzgründungsberatung sinnvoll ist, jedem selbst. Sie kann einerseits wertvolle Tipps liefern und wirklich helfen. Andererseits existieren mit Sicherheit Fälle, bei denen Gründer sich von einer eigentlich guten Geschäftsidee haben abbringen lassen, schließlich agiert eine seriöse Existenzgründungsberatung gewöhnlich vorsichtig, konservativ und in keinem Fall risikobereit. Empfehlenswert kann deshalb auch sein, sich mithilfe einer individuellen Vorlage zum Geschäftsmodell den passenden Businessplan zu erstellen.