Die Liquiditätsplanung im Businessplan

von | Okt 9, 2019 | Unternehmensgründung | 0 Kommentare

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Lesezeit: 5 Minuten

« Ist mein Unternehmen jederzeit flüssig? »

Unter Liquidität wird die Fähigkeit einer Unternehmung verstanden, zu jedem Zeitpunkt alle ausstehenden Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können. Mithilfe der Liquiditätsplanung wird der Bestand an finanziellen Mitteln geplant. Ein Unternehmen ist dann flüssig bzw. liquide, wenn die erwarteten Einzahlungen größer als die erwarteten Auszahlungen sind. Neben der Rentabilitätsrechnung ist die genaue Aufführung der Liquidität ein sinnvolles Mittel, um sich vor einer Insolvenz zu schützen. Denn die Zahlungsunfähigkeit führt zur Insolvenz, was durch eine dauerhaft positive Liquidität verhindert werden kann.

der-perfekte-businessplan-epub-versionLiquiditätsplanung im Businessplan

Ist ein Existenzgründer damit beschäftigt, seinen Businessplan zu erstellen, sollte er einen großen Teil der Arbeit in das Finanzwerk stecken. Im Bereich der Finanzen erhält er Informationen über die Tragfähigkeit seiner Geschäftsidee. Eine Existenzgründung ist nur dann sinnvoll, wenn sich die Unternehmung rechnet und auf lange Sicht gesehen Gewinne abwirft.

Aus diesem Grund liefern Businessplan Vorlagen detaillierte Anleitungen zur Erstellung von Umsatzplanungen, Kostenaufstellungen, Übersichten zu Gründungskosten, Liquiditätsplänen und Rentabilitätsrechnungen. Zwar sind die verwendeten Zahlen für Geschäftspläne reine Planzahlen, doch lässt sich hieran z.B. bereits erkennen, ob die Unternehmung mit dem vorhandenen Eigenkapital gestartet werden sollte oder ob Nachbesserungen bzw. Anpassungen notwendig sind.

Planung der Liquidität schützt vor Zahlungsunfähigkeit

Die Liquiditätsplanung im Businessplan sorgt dafür, dass der Gründer planmäßig immer ausreichend Liquidität vorweisen kann. Ist die Zahlungsfähigkeit erst verloren, so droht bereits die Insolvenz der Unternehmung.

Eine Liquiditätsplanung steuert bereits im Vorfeld dagegen und gibt im Geschäftsplan Auskunft darüber, wie viel Kapital für die Unternehmung zu welchem Zeitpunkt benötigt wird. Damit jederzeit genügend Geld in der Kasse ist, werden Puffer einberechnet und ein ausreichend langer Zeitraum betrachtet. Sinnvoll ist es, eine Kalkulation für die Zeit aufzustellen, in der die ersten Kredite laufen. Für Geschäftspläne werden Daten genutzt, die sich aus Markt- und Umsatzanalysen ergeben. Da Existenzgründer ihre Einnahmen nicht kennen, müssen sie auf diese Plandaten zurückgreifen, wenn sie den Businessplan erstellen.

Die Liquiditätsplanung erstellen

Die Liquiditätsplanung ist in Businessplan Vorlagen so aufgebaut, dass die Spalten einer Tabellenkalkulation  die einzelnen Monate abbilden und in den Zeilen die verschiedenen Salden der Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit, Finanzierungstätigkeit und Steuern angegeben sind. Die Differenzierung nach Monaten macht insofern Sinn, dass viele Geldflüsse monatlich stattfinden, die Planung dadurch sehr nah an der Realität ausgerichtet ist und somit die Chance steigt, dass ein Gründer jederzeit flüssig ist. Im Plan kann abgelesen werden, wie viel Bargeld (=Liquidität) jeweils zum Monatsende übrig ist.

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© Eigens – stock.adobe.com

Operative Tätigkeit

Ein erster Bereich ist die operative Tätigkeit des Unternehmens. Hierunter werden alle Zahlungen fallen, die die Geschäftstätigkeit betreffen. Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis, dass der tatsächliche Geldfluss aufgezeichnet werden muss. Sind Zahlungsziele von mehr als 30 Tagen vereinbart, so kann dies den Geldfluss verschieben. Der Großteil der Einnahmen aus der operativen Tätigkeit sind erzielte Umsätze für Dienstleistungen oder Produkte. Ausgaben, die zum Tagesgeschäft gehören, sind z.B. Materialkosten, Mieten, Marketingkosten oder Löhne und Gehälter.

In den ersten Monaten kann das Ergebnis aus der Geschäftstätigkeit durchaus noch im Minus liegen, sollte sich aber zeitnah ins Positive drehen. Die Zahlen lassen sich gut aus der Gewinn-und-Verlustrechnung entnehmen.

Investitionstätigkeiten

Insbesondere die Anfangsphase einer Unternehmensgründung wird starke Investitionstätigkeiten nach sich ziehen. Für die Gründung einer bestimmten Unternehmensform bzw. Rechtsform bedarf es Kapital, ein Geschäft muss eingerichtet werden, eine Onlinepräsenz wird benötigt oder Maschinen und Mobiliar müssen angeschafft werden. All diese Maßnahmen werden viel Geld kosten. Es macht Sinn, die Investitionen als gesonderten Saldo zu betrachten, damit hieraus Rückschlüsse gezogen werden können und keine Vermischung mit der Geschäftstätigkeit passiert. Die meisten Anschaffungen können auch in Raten bezahlt werden, wodurch sich die Zahlungen auf mehrere Monate verteilen. Wenn außerdem abzusehen ist, dass bereits in näherer Zukunft eine weitere Investition gemacht werden muss, so darf diese in der Liquiditätsplanung nicht fehlen.

businessplan-paket-finanz-anlage-vermoegens-und-versicherungsberatungFinanzierungstätigkeiten

Ebenfalls eine gesonderte Betrachtung erhalten die Finanzierungstätigkeiten. Dieser Saldo beschreibt die Tätigkeiten durch Kreditgeber und Investoren. Die wenigsten Unternehmen werden durch Eigenkapital finanziert. Durch hohe Investitionstätigkeiten ist Kapital nötig, welches in den meisten Fällen geliehen wird.

Zusammen mit Zinsen müssen die Kredite über einen langen Zeitraum abbezahlt werden. Aus diesem Grund weist der erste Monat der Unternehmung im Normalfall einen hohen Plusbetrag der Finanzierungstätigkeiten auf.

In diesem Monat werden die genommenen Kredite überwiesen. In den folgenden Monaten wird der Kredit zusammen mit den Zinsen zurückbezahlt. Die Finanzierungstätigkeiten dürften somit dauerhaft im Minus sein.

Steuern

Nicht zu vergessen ist die Zahlung von Steuern. Da diese das Ergebnis vom operativen Geschäft verfälschen können, werden sie meist in einem gesonderten Saldo aufgeführt. Steuern müssen vom Unternehmen an den Staat abgeführt werden. Insbesondere die Umsatzsteuer wird einen großen Teil der Abgaben ausmachen. Die Steuer wird monatlich oder pro Quartal in der Umsatzsteuer-Voranmeldung an das Finanzamt gemeldet. Im späteren Verlauf erfolgt dann die  Verrechnung mit der Vorsteuer, die für sämtliche Anschaffungen anfällt.

Mit der Liquiditätsplanung arbeiten

Nachdem die vier Positionen in der Liquiditätsplanung mit Leben gefüllt sind, kann der Plan gelesen werden. Ist noch kein Kredit aufgenommen, so kann der Gründer durch die Aufstellung seinen Geldbedarf ermitteln. Er nimmt die negativen Zahlen aus der Geschäftstätigkeit und der Investitionstätigkeit und rechnet einen Puffer hinzu, den er vorab für unvorhersehbare Ereignisse festgelegt hat. Hierdurch ist der Kapitalbedarf für den ersten Monat bestimmt.

Je nach vorhandenem Eigenkapital muss die Restsumme nun über einen Kredit finanziert werden. Sollten weitere Monate im Minus geplant sein, so muss auch dieses Geld zusätzlich aufgenommen werden. Fortan wird der Liquiditätsplan als Kontrollinstrument genutzt.

Die Existenzgründer können anhand von Vergleichen der tatsächlichen Zahlen mit den Planzahlen überprüfen, ob sie in die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit kommen. Die Liquiditätsplanung ist wie die gesamte Finanzierungsplanung nur eine Kalkulation, die regelmäßig angepasst werden muss, falls sich in der Realität Änderungen ergeben. Im Notfall muss eine weitere Finanzierung vorgenommen werden, bevor die Zahlungsunfähigkeit mit der nachgelagerten Insolvenz droht.

tragfaehigkeitspruefung-und-tragfaehigkeitsbescheinigungDie Liquiditätsplanung für die Tragfähigkeitsprüfung

Eine Planung der Liquidität ist insbesondere für Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit heraus ein ideales Mittel, um Zuschüsse zu erhalten. Es existieren diverse Fördermittel, die abgerufen werden können, wobei die ausgebenden Stellen immer auch einen Nachweis über die Tragfähigkeit der Geschäftsidee fordern. Diese Tragfähigkeitsbescheinigung wiederum kann bei sogenannten „fachkundigen Stellen“ erworben werden. Hierzu zählen die IHK, Handwerkskammern oder Kreditinstitute. Dem Gründer wird bescheinigt, dass sein Geschäftsvorhaben wirtschaftlich ist, dass er eine persönliche Eignung mitbringt und dass ein potenzieller Markt vorhanden ist. Neben einem aussagekräftigen Liquiditätsplan ist es unerlässlich, einen vollständigen Businessplan vorweisen zu können. Auf jeden Fall aber benötigen die „fachkundigen Stellen“ vom Existenzgründer eine Umsatzplanung, einen Lebenslauf mit relevanten Zeugnissen und den Kapitalbedarf mit der geplanten Kapitalbeschaffung.

Ist die Tragfähigkeitsprüfung positiv, so erhält der Antragsteller die Bescheinigung der Tragfähigkeit, mit der er bei der Bundesagentur für Arbeit, bei Kreditgebern oder bei anderen Förderern seine Gelder beantragen kann. Die Liquiditätsplanung ist somit nicht nur als Teil vom Businessplan ein wichtiger Indikator für die Wirtschaftlichkeit einer Unternehmung, sondern hat im Rahmen der Tragfähigkeitsprüfung auch einen ganz offiziellen Charakter. Es lässt sich abschließend festhalten, dass zu jeder Existenzgründung immer eine Planung der Liquidität erfolgen sollte.

 

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