Was beinhaltet ein befristeter Arbeitsvertrag?

von | Dez 16, 2021 | Unternehmensführung | 0 Kommentare

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Lesezeit: 5 Minuten

Viele Arbeitsverträge, die heute geschlossen werden, sind befristet. Das betrifft nicht nur Arbeitskräfte, die sich in der Ausbildung befinden oder Neueinsteiger. Auch erfahrene Arbeitnehmer, die etwa eine Angestellte in Mutterschutz vertreten, können in solch ein Arbeitsverhältnis treten. In der Regel bietet dies den Unternehmern und Gründern einige Vorteile, während Arbeitnehmer die Sicherheit unbefristeter Arbeitsverträge präferieren. Mit den gesetzlichen Bestimmungen von befristeten Arbeitsverträgen und den daraus resultierenden Auswirkungen sollten sich beide Seiten auskennen. Einen Überblick über die wichtigsten Punkte erhalten Sie hier.

Was ist ein befristeter Arbeitsvertrag, und wozu dient die Befristung?

Ein befristeter Arbeitsvertrag ist ein Arbeitsvertrag, der über einen bestimmten Zeitraum abgeschlossen wird und dann von selbst ausläuft. Das Gegenteil davon ist ein unbefristeter Arbeitsvertrag, der nur dann endet, wenn eine Partei eine Kündigung ausspricht. Die Absicht, den Vertrag befristet zu gestalten, geht in der Regel vom Arbeitgeber aus. Für ihn bedeutet dies, dass er das Beschäftigungsverhältnis sehr flexibel gestalten kann. Er kann nach Ablauf der vereinbarten Zeitspanne frei entscheiden, ob er das Arbeitsverhältnis verlängern möchte oder nicht. Wenn er es nicht möchte, muss er nichts weiter tun als den Vertrag auslaufen zu lassen, ohne sich um irgendwelche Bestimmungen des Kündigungsschutzes zu kümmern.

Junge Frau blickt unzufrieden auf befristeten Arbeitsvertrag

© Jeanette Dietl – stock.adobe.com

Welche Arten der Befristung gibt es?

Ein befristeter Arbeitsvertrag kann grundsätzlich einer von zwei Kategorien angehören. Einerseits besteht die Möglichkeit, dass er als kalendermäßig befristeter Vertrag geschlossen wird. Die andere Option ist die Zweckbefristung, die voraussetzt, dass die Befristung aus einem Sachgrund hervorgeht.

Kalendermäßig befristeter Vertrag

Wenn es keinen Sachgrund für eine Befristung gibt, kann dennoch ein kalendermäßig befristeter Vertrag aufgesetzt werden. Diese Option ist bestimmten Beschränkungen unterworfen. So darf der Arbeitgeber bei dieser Variante den Vertrag maximal drei Mal verlängern. Die Gesamtdauer dieses Beschäftigungsverhältnisses darf dann zwei Jahre nicht überschreiten. Zum Beispiel wäre es also dem Arbeitgeber gestattet, einen Mitarbeiter zunächst für sechs Monate einzustellen und diesen Vertrag dann drei Mal jeweils für weitere sechs Monate zu verlängern.

Bei Gründern oder Start-Ups, die erst seit maximal vier Jahren tätig sind, kann ein solcher Vertrag auch über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren geschlossen werden. Hier nimmt der Gesetzgeber Rücksicht auf die Unsicherheiten, denen Jungunternehmen unterworfen sind. Um die Risiken etwas zu überschauen, sollten Start-ups ihre Personalplanung im Businessplan festhalten. In einigen Fällen geht der Wunsch nach Befristung auch von den Beschäftigten aus, wenn diese zum Beispiel nur in den Ferien oder bis zum Beginn ihrer Rente arbeiten wollen.

Kalender zeigt den 31. Tag des Monats - befristeter Arbeitsvertrag endet kalendarisch

© Sinisa Botas – stock.adobe.com

Zweckbefristung oder Befristung wegen eines Sachgrundes

Aus verschiedenen Gründen kann es vorkommen, dass eine Mitarbeit nur für einen begrenzten Zeitraum benötigt wird. Das kann etwa dann der Fall sein, wenn ein Arbeitnehmer einen anderen Mitarbeiter vertritt, der sich im Sabbatjahr oder in Elternzeit befindet. Auch gesundheitliche Umstände können solch eine Lösung begründen. Manchmal legt die Art der Arbeit nahe, einen befristeten Vertrag zu schließen, wenn nur ein bestimmtes Projekt oder eine saisonale Arbeit erledigt werden muss. Zudem gibt es zeitlich begrenzte Programme, die der Prüfung und der Ausbildung der neuen Mitarbeiter dienen, wie etwa das Volontariat oder Einstellungen als Trainee.

Junge Frau ist hochschwanger, ein befristeter Arbeitsvertrag ist in diesem Fall eine Lösung

© Syda Productions – stock.adobe.com

In welchen Bereichen sind befristete Arbeitsverträge besonders verbreitet?

Fast die Hälfte aller Beschäftigten finden sich nach einer Neuanstellung zunächst in einem befristeten Beschäftigungsverhältnis wieder. Vor allem betroffen sind Berufe, die eine klassische Ausbildung voraussetzen. Zu diesen zählen zum Beispiel das Gesundheitswesen, der Handel, Ausbildungsberufe rund um das Auto oder das verarbeitende Gewerbe. Nach erfolgreicher Ausbildung werden aber auch in diesen Berufen viele Beschäftigte in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis überführt. In den Berufen, für die ein Studium erforderlich ist, sind auch beim Einstieg die unbefristeten Verträge die Regel.

Worauf sollte man bei einem befristeten Arbeitsvertrag achten?

Damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich sicher sein können, dass ein befristeter Arbeitsvertrag auch wirklich gültig ist und auch einer Überprüfung standhält, muss er natürlich schriftlich werden und von beiden Parteien unterschrieben werden. Die beidseitige Unterschrift muss erfolgen, bevor die Arbeit aufgenommen wird. Wenn eine Zweckbefristung vorliegt, muss der Sachgrund, der für die Befristung ausschlaggebend ist, angegeben werden. Ist die Arbeitskraft also beispielsweise ein Trainee oder absolviert ein Volontariat, ist diese Tatsache zusammen mit der Angabe über die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses explizit zu vermerken.

Wichtig vor allem für den Arbeitgeber ist die Tatsache, dass Fehler bei der Gestaltung des Vertrags eine Entfristung nach sich ziehen können. Werden etwa wesentliche Vertragsdetails geändert, gilt der Vertrag vor dem Gesetz als gänzlich neuer Arbeitsvertrag, der aus diesem Grund die Befristung aufhebt.

Handschlag im Büro zwischen zwei Frauen

© rawpixel.com – stock.adobe.com

Sollte das Arbeitsverhältnis nach der Frist enden, müssen Arbeitgeber natürlich bedenken, dass der Arbeitnehmer ein Anrecht auf ein Arbeitszeugnis hat. Sollte die Beendigung der Anstellung lange bekannt sein, wäre es fair, mit zwei bis drei Monaten Vorlauf, ein Zwischenzeugnis auszuhändigen. Rechtlich gesehen müssen Ausbildungszeugnis, Traineezeugnis und andere Arbeitszeugnisse mit Anstellungsbeendigung ausgehändigt werden – bestenfalls also am letzten Tag.

Arbeitszeugnis Trainee

Kann ein befristeter Arbeitsvertrag verlängert werden?

Wie schon angedeutet, besteht die Möglichkeit, dass ein befristeter Arbeitsvertrag automatisch in einen unbefristeten übergeht. Das ist auch immer dann der Fall, wenn der Arbeitgeber sich nicht an die gesetzlichen Bestimmungen hält. Die häufigsten Änderungen im Beschäftigungsverhältnis ergeben sich, wenn das Beschäftigungsverhältnis als befristet definiert wurde, aber länger als zwei Jahre andauert. Wird die Dauer der Beschäftigung von Anfang an länger als zwei Jahre definiert, ist das Beschäftigungsverhältnis unbefristet.

Das gilt auch dann, wenn sich die Verlängerung eher ungeplant ergeben hat, was mitunter zu kuriosen Fällen führen kann. Es ist schon vorgekommen, dass ein Mitarbeiter einen Tag länger als zwei Jahre gearbeitet und auf Weiterbeschäftigung gepocht hatte – und vor Gericht Recht bekam. Wenn ein Mitarbeiter also entgegen der Absprache nach Ablauf der vertraglich festgelegten Frist weiterhin zur Arbeit erscheint, muss der Arbeitgeber gemäß dem Gesetz ohne Verzug seinen Widerspruch geltend machen, wenn er eine automatische Verlängerung des Arbeitsverhältnisses ausschließen will.

Mann in Business-Outfit schaut erschrocken

© Mangostar – stock.adobe.com

Kann ein befristeter Vertrag auch für Arbeitnehmer Vorteile bieten?

In der Regel sind es die Arbeitgeber, die ein Interesse an der Befristung des Arbeitsvertrags haben, da diese für sie eine hohe Flexibilität mit sich bringt. Aber auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können befristete Verträge als Chance sehen. Wer die Zeit gut nutzt, um die eigenen Stärken für das Wohl des Unternehmens einzusetzen, erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft übernommen zu werden. Auch wenn dies nicht gelingt, erhält man die Möglichkeit, in verschiedene praktische Arbeitsabläufe Einblick zu nehmen und wertvolle Erfahrung zu gewinnen. Diese Erfahrungen machen sich gut im Lebenslauf und können dazu führen, dass das nächste Engagement dann eine Festanstellung wird.


Bildquelle Beitragsbild: © Pixelot – stock.adobe.com

 

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